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Südschweden
26.7. - 26.8.2008

Am 26. landet Traudl auf die Minute pünktlich in Stockholm und ihr Rad ist heil. Wir besuchen Drottningholm und bummeln viel in der Stadt (Kungsträdgården, Stadshuset, …). Am Norr Mälarstrand wird gebaut und die schönen Wohnboote sind verschwunden, die ich schon oft bewundert habe.

Mit dem Pendeltåg entgehen wir dem Stadtverkehr von Stockholm und radeln dann über Norrköping (traditionelle Textilindustriestadt, heute sehenswerte alte Industrielandschaft) dem Götakanal entlang nach Motala. Die immer noch handbetriebenen Schleusen faszinieren uns und die Schleusentreppe in Motala. In Motala kommt mir eine Radlerin in die Quere und ich überschlage mich mit dem Rad. Obwohl in Wirklichkeit nur Sekunden, dauert ein solcher Purzelbaum quälend lang. Mit nur einigen Kratzern stehe ich wieder auf und meine Unfallgegnerin ist mehr als erleichtert.

In Visby auf Gotland findet gerade die  Mittelalterwoche statt mit buntem Treiben auf den mittelalterlichen Straßen und Plätzen. Der Vergleich mit der Landshuter Hochzeit und deren unterschiedliche Konzepte sind interessant: Strenge Professionalisierung in Landshut versus lockere Handhabung in Visby (da sieht man zum mittelalterlichen Kostüm schon mal eine Armbanduhr, Nike-Sportschuhe o. ä.), fester Teilnehmerkreis versus offene Einbeziehung des Publikums, vierjähriger Turnus versus jährliches Spektakel, ca. 130.000 Besucher alle 4 Jahre versus 200.000 jeden Sommer (Wo nur kommen die alle her? Gotland selbst hat nur knapp 60.000 Einwohner; der Rest muss per Schiff oder Flugzeug anreisen). Die beinahe 100 spätromanischen/frühgotischen Kirchen auf Gotland in Visby, Rute, Hellvi, Gothem … blieben aus Geldmangel rund 600 Jahre nahezu unverändert. Die kleine Insel Fårö bleibt uns hauptsächlich wegen des Regens in Erinnerung.

Auf Öland strampeln wir gegen heftigen Wind an. Wegen des Sturms sind sogar Fährfahrten ausgefallen! Das Alvar mit seiner einzigartigen Flora, vielen endemischen Pflanzen, ist Weltkulturerbe. Der Park von Schloss Solliden, dem Sommersitz des schwedischen Königs, begeistert mich wieder einmal. Bei strömendem Regen setzen wir aufs Festland über (per Bus, die Brücke ist für Radler gesperrt), trocknen und wärmen uns einige Stunden lang im Ikea-Restaurant von Kalmar, offensichtlich ein beliebtes Familienziel für sonntägliches Mittagessen. Andere Restaurants finden auch wir nicht. Der weitere Weg durch Småland kostet uns viel Kraft (kaum ein Meter eben) und Nerven (große Straßen ohne Ausweichmöglichkeit) und es regnet fast ständig. Diese Strecke war meine klare Fehlentscheidung.

In Göteborg ist gerade Kulturwoche mit Konzerten, artistischen Vorführungen, Tanz, Feuerwerk, Rummel usw. Wir wohnen auf einem Schiff und speisen selbstverständlich in der berühmten Fischkirche. Einen herrlichen Sonnentag verbringen wir auf Donsö, einer Göteborg vorgelagerten Schäre. Die Insel hat zwar 1.400 Einwohner, ist aber autofrei gehalten.

Bei Trollhättan stürzen die Wassermassen des riesigen Vänersee (10-fache Fläche des Bodensees) in den Göta Älv. Im Gefolge der großen Wasserkraftwerke hat sich die Stadt zu einem wichtigen Industriestandort entwickelt, Saab, Volvo, aber auch Filmstudios usw.

Vom „Pilz“, einem Wasserturm (Kuwait hat einen Turm nach gleichem Muster) haben wir einen herrlichen Ausblick über Örebro und den Hjälmaren. Schweden gilt nicht gerade als kulinarischer Himmel, aber der Espresso im Turmrestaurant sollte doch wenigstens trinkbar sein. In der Stadt geht gerade das Drachenbootfestival zu Ende; mit viel Klamauk kämpfen Firmen-/Behörden-/Vereinsmannschaften gegeneinander. Wir schlendern durch Wadköping, ein als Freilichtmuseum aufgebauter alter Stadtteil. Das Vasa-Schloss bietet Führungen erst am Nachmittag an und wir warten nicht ab.

Beide Räder brauchen eine neue Kette. Für Traudls 9-fach-Schaltung will der gute Mann mir eine 8-fach-Kette verkaufen und an meinem Rad stellt er fest, die Kette hänge noch nicht so weit durch, dass sie gewechselt werden müsse (ich habe verstellbare Ausfallenden!). Ich lasse ihn keine Hand an unsere Räder legen und fürchte, mit solchem Service stünde mein Rad Langstreckenreisen nicht durch. Zum Glück werden wir bei unserer heimischen Werkstatt kompetenter versorgt.

Das feuchte Wetter hat Pilze sprießen lassen und ich habe – außer in Finnland – noch nie solche Pilzpracht gesehen, viele Birkenpilze, Steinpilze, Fliegenpilze (rote und braune), Pfifferlinge …

In Anundshög liegt der größte eisenzeitliche Grabhügel Schwedens, ein Thingplatz aus der Wikingerzeit und vor allem hervorragend erhaltene Schiffssetzungen. Runensteine sind entlang des Wegs so zahlreich, dass wir sie kaum noch registrieren.

Wir verbringen einen Tag in Uppsala, aber es ist nicht mehr so schön sommerlich warm wie vor 5 Wochen. Dem Mälar entlang und über Sigtuna, der ältesten Stadt Schwedens und ersten Königsresidenz vor 1.000 Jahren (wohl nur des Svea-Reichs?), radeln wir zum Flughafen in Arlanda. Mit Problemchen checkt Traudl ein (wer bringt schon ein Fahrrad mit?). 3 Stunden später der Anruf: „Mein Rad ist heil. Ich hab’s zusammengeschraubt und radle jetzt heim nach Landshut.“ Die 5 Wochen gemeinsamer Zeit sind vorbei.

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