Radreise Nordirland 2012
22. Juni - 15. Juli 2012

Antrim Coast
Greencastle - Bushmills - Carrickfergus

Weil wir bisher zu sehr gebummelt haben, verzichten wir auf den Besuch von Londonderry. Per Fähre verlassen wir in Greencastle die Republik Irland und landen drüben im britischen Nordirland.

In Coleraine sind wir zu Gast bei David und Jan. Insbes. David ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Nach einem Schlaganfall vor einigen Monaten ist er halbseitig gelähmt, sprüht nichtsdestotrotz vor Optimismus und Lebensfreude. Er ist hoch gebildet, ein glänzender Unterhalter und welterfahren. “When I was in foreign countries the least I could do was to speak my own language so that everybody can understand.” Was ganz selten ist, wir verstehen mühelos jedes Wort. Ich glaube, die Zimmervermietung wird hier nur als Hobby betrieben und der tägliche Umgang mit Fremden ist Davids Lebenselixier.

Portstewart (weltbekannter Golfplatz) und Portrush sind zwei elegante Badeorte, die so gar nichts von Ballermann-Tourismus an sich haben wie bspw. Bundoran. Die Küste hier, im sog. Antrim, ist großartig und steht der im Süden Irlands in keiner Weise nach. Schöne Sandstrände wechseln ab mit pittoresken Felsformationen, Dünenlandschaften ...

Dunluce Castle (14. Jh.) liegt hoch auf einer Meeresklippe, strategisch günstig am North Channel, dem wichtigen Seeweg von den schottischen Hebriden nach Irland. Siedler in der Steinzeit und Eisenzeit, Seeräuber, Heilige, Sklavenhändler, Wikinger, Normannen, Whiskeyschmuggler, Fischer, schottische und irische Emigranten … haben den Weg genommen. Die Verbindungen zwischen Schottland und Nordirland waren so eng, dass der hiesige Dialekt schottisch eingefärbt sei und angeblich sogar die Schotten ihren Namen „Schottland“ auf eine nordirische Räubersippe zurückführen. Nachdem 1639 in einer stürmischen Winternacht der Küchen­trakt von Dunluce Castle mitsamt Personal im Atlantik versunken war, wurde die Burg aufgegeben.

In Bushmills lassen wir uns durch die weltberühmte Distillery führen, kosten natürlich auch. 1608 gegründet, sei hier die älteste Whiskeybrennerei der Welt in Betrieb. Und selbst hier in diesem kleinen Dorf zeigt sich nordirische Wirklichkeit. Wie in (fast?) jedem Ort ist die Polizeistation ein Furcht einflößender Hochsicherheitstrakt mit meterhohem Absperrzaun rundum, Scheinwerfern in jeder Ecke, schweren Toren, oft mit Wachturm, Stacheldraht usw.

Giant's Causeway ist in der UNESCO-Liste der Naturwunder eingetra­gen. Bei einem Vulkanausbruch vor 6 Mio Jahren wurde der Basalt in hexagonalen Säulen nach oben gedrückt, einzigartig auf der Erde. Um diese eigenartige Naturerscheinung ranken sich natürlich viele Mythen und Sagen. Die bekannteste erzählt, der Riese Fionn Mac Cumhaill habe im Streit mit dem Schotten Benandonner diesen Causeway bis hinüber nach Schottland gebaut.

Von Dunseverick Castle, das wie Dunluce Castle oben auf einer Klippe hängt, sind heute nur noch kümmerliche Reste erhalten. Der Platz wurde schon in der Eisenzeit um 500 v. Chr befestigt und war wohl später der Herrschersitz des keltischen Königreichs Dalriada, das das heutige Antrim und den Westen Schottlands umfasste. Die Wikinger zerstörten 871 n. Chr. dieses Reich.

Auf Rathlin Island beobachten wir eine der größten Seevogelpopulationen in UK: Dreizehenmöwen, Trottel­lum­men, Basstölpel, Papageientaucher, Tordalks u. v. m. Die jun­gen Papageientaucher sind gerade geschlüpft aber noch in ihren Höhlen, 1 Küken pro Nest. Die Tord­alks, Trot­tellummen und Basstölpel pflegen ihre nicht mehr ganz junge Brut (jeweils 1 – 2 Küken) in ihren Nestern auf Felsvorsprüngen und in Felsnischen. Der Lärm der Vögel ist unbeschreiblich, angeblich auch nachts. Alle Populationen außer die der Dreizehenmöwen sind rückläufig.

Die Glens sind von eiszeitlichen Gletschern U-förmig ausgehobelte Täler. Über das Glenballyemon fahren wir ins Glenariff Glen, das schönste der 9 Täler. Je höher wir kommen (angenehm gleichmäßig mit wohl 3 %), desto weiter verschwinden wir in der Wolkendecke und stecken schließlich ganz in Nebel. Irland im Juli!

Die mächtige Seefestung  Carrickfergus, von Normannen erbaut, schützt seit 900 Jahren die Zufahrt zum Lough of Belfast und ist viel älter als Belfast selbst (1603 gegründet). Die Burg wurde bis 1928 ohne Unterbrechung militärisch genutzt und nach nur wenigen Jahren Pause schon bald wieder zur Abwehr deutscher Luftangriffe im 2. Weltkrieg .