Zurück Home Nach oben Weiter

horizontal rule

Otago
23.2. - 3.3.2006 / 9 Tage / 458 km

In schlimmstem "Sauwetter" warte ich im Café, bis mein Bus nach Cromwell fährt. Ich will aber nach Tarras, einige zig Kilometer abseits der Strecke. Ich habe Glück und bin der einzige Fahrgast. Gegen einen kleinen Zuschlag und ein bisschen Trinkgeld fährt mich der Linienbus (!) nach Tarras. Bis auf 800 m herunter liegt Schnee und morgen will ich über den Lindis Pass mit knapp 1.000 m!

Am nächsten Morgen scheint die Sonne warm vom Himmel, der Schnee ist weg geschmolzen und der gestrige Sturm hat sich gelegt. Ganz unerwartet schnell und leicht bin ich auf der Passhöhe. Eine japanische Bus-Reisegruppe fotografiert sich gerade gegenseitig. Die Gebirgslandschaft rundum und die historische Bedeutung des Passes interessiert niemanden, aber ich muss wieder einmal Auskunft geben, wie viele Gänge mein Rad hat. Mit leichtem Rückenwind rolle ich dann 30 km abwärts. Auf Omarama Station übernachte ich, einer der historischen, großen Farmen. Sie hat heutzutage "nur" noch 11.800 ha, 14.500 Schafe und 1.000 Rinder.

1855 fand James Mackenzie über den Mackenzie Pass den Zugang zu dieser Gegend, die vorher nur den Maori bekannt war. Nach einer Lesart war Mackenzie ein äußerst geschickter Schafhirte, ein Volksheld, der in Gedichten heroisiert und in Balladen besungen wird. Nach anderer Lesart war er ein Viehdieb, der zu Recht viele Jahre gefangen gehalten wurde (u.a. in Lyttelton). Außer einigen Büscheln Tussock Grass wächst hier oben fast nichts. Die Gegend gehört den Schafen.

 

Weil der Mount Cook fast ständig in Wolken gehüllt ist, heißt Neuseeland Aotearoa in Maori: Das Land der langen weißen Wolke. Aber ich kann vom Lake Pukaki aus einen freien Blick auf den majestätischen Mount Cook (3.754 m) genießen. Ein seltenes Glück, um das mich selbst viele Neuseeländer beneiden. Der Lake Pukaki strahlt dazu so kräftig türkis, dass es schon fast unwirklich wirkt. Selbst auf Bildern aus dem Weltraum ist der See so zu erkennen. Die ziehenden Wolken modellieren die Landschaft ständig neu. Ich bleibe stundenlang in der Sonne liegen und bedaure die gehetzten Touristen, die nach einem kurzen Fotostopp weiter hasten. Was sollten sie auch hier? Es gibt kein Restaurant, kein Hotel, nichts was der Normaltourist braucht.

Über den Burkes Pass, durch Geraldine und Fairlie, fahre ich hinunter auf die Canterbury Plains. Der berüchtigte Northwesterly weht mich oft beinahe vom Rad, die Gegend ist öde und ich nehme deshalb den Bus nach Christchurch. Dort sitze ich die nächsten stürmischen Tage aus.

Die Lektüre der Lokalpresse ist hoch interessant. Auf den Canterbury Plains wird erbittert um Bewässerungsprojekte gekämpft. Die Befürworter sehen darin den Garanten für wirtschaftlichen Fortschritt, die Gegner eine unzulässige Privatisierung von Gemeineigentum, Schädigung der Umwelt usw. Und wie immer bei solchen Streitigkeiten werfen sich beide Parteien gegenseitig mangelnde Zukunftssicht vor. Auch in Neuseeland können Arbeitsplätze immer als "Totschlagsargument" genommen werden.

 

 

horizontal rule

Zurück Home Nach oben Weiter