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Der Süden
10.2. - 22.2.2006 / 13 Tage / 889 km

Der Haast Pass liegt nur knapp 600 m hoch, ist aber teilweise unangenehm zu fahren. Die Passhöhe trennt zwei Welten: Im Westen feuchter, üppiger Regenwald, im Osten karge, trockene, weiträumige Weidelandschaft.

Wanaka ist ein lebhaftes Touristenzentrum. Die ehemaligen Goldgräbersiedlungen Bendigo, Welshtown, Logantown usw. waren nur wenige Jahre bewohnt. Hier wurde nie viel Gold gefunden und das beste Geschäft haben die Ladeninhaber, die Wirte und die Damen des horizontalen Gewerbes gemacht. Vom ehemals quirligen Leben zeugen nur noch kümmerliche Überbleibsel.

Kurz vor Queenstown, also bereits mehr als zwei Wochen unterwegs, ziehe ich das erste Mal eine Regenjacke über. Die Stadt ist schon lange bekannt für spektakuläres Bungee Jumping über dem Kawarau River. Man kann hier angeblich mehr als 200 weitere Sportarten ausüben, von Rafting bis zu Höhlenwanderungen. Und natürlich wird der Erfolg des Kultfilms "Lord of the Rings" ausgeschlachtet. Ganz Eilige können per Hubschrauber besichtigen. Ich verlasse diesen Touristen-Rummelplatz ganz schnell wieder.

Nach einem schrecklich harten Gegenwind-Tag komme ich nach Manapouri am angeblich schönsten See Neuseelands. Ich will nicht widersprechen. Den Rummel am Milford Sound erspare ich mir und mache stattdessen einen Bootsausflug auf dem herrlichen Lake Te Anau, dem größten Süßwasserreservoir der Südhalbkugel. Das Wasser ist reiner als handelsübliches Mineralwasser. Mein Skipper amüsiert sich deshalb köstlich über Touristen, die auf seinem Boot gekauftes Wasser trinken und das Wasser aus dem See verschmähen.

 

Auf der Südhalbkugel steht die Sonne mittags im Norden. Das ist zwar selbstverständlich. Aber trotzdem ist mir mein sonst beinahe untrüglicher "innerer Kompass" verloren gegangen. Ich muss ständig neu und bewusst überlegen, wenn ich mich orientieren will. Zum Glück gibt's hier in Neuseeland meist nur einen Weg und deshalb keine Streckenentscheidungen zu fällen.

Invercargill, ehemaliger Stützpunkt für Walfänger, empfinde ich abstoßend hässlich. In den Außenbezirken ziehen sich endlose Industriegebiete hin. In der Innenstadt vergammeln die ehemals hübschen, viktorianischen Häuser und auf den breiten Boulevards rasen junge Leute mit röhrendem Auspuff auf und ab (es ist Samstag!). Was sollten sie auch sonst hier unternehmen? Lawn Bowling, Crocket usw. sind Sportarten nur für ältere Herrschaften. Dabei geht's "very British" und steif zu.

Das Southland Museum in Invercargill ist einen Besuch wert. Ich bin erstaunt, welche Anstrengungen früher unternommen worden sind, die Inseln südlich von Neuseeland (Auckland Island, Antipoden Inseln usw.) zu besiedeln und zu bewirtschaften. Unglaublich ist, wie bis vor wenigen Jahren chinesische Einwanderer höchst fragwürdig offiziell schikaniert wurden.

An der Curio Bay kann ich die seltenen Gelbaugen-Pinguine beobachten und bald bin ich in Dunedin. Die Stadt strahlt Charme aus und hat ein quirliges Studentenleben. Die Züge der Taieri Gorge Railway werden vom prächtigen Bahnhof zur Nebensache degradiert. Der Bahnhof in Edwardian Style sei das meist fotografierte Gebäude Neuseelands.

 

 

 

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