WoMo-Reise Alaska Highway

Alaska (Skagway - Anchorage)
28.6. - 7.7.2009

Durch die Gassen von Skagway mit ihren Holzhäusern (vielleicht ein bisschen zu penetrant restauriert) aus den Zeiten des Klondike Gold Rush strömen Touristenmassen. Im Hafen liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe und im Red Onion Saloon trifft sich alles. Nicht nur hier wurde an den Goldgräbern mehr verdient als von ihnen. Das Brothel Museum zeigt eine der Facetten.

Mit der Fähre setzen wir nach Haines über und können lang einen Wal beobachten. Über den Haines Highway kommen wir nach Haines Junction und zurück auf den Alaska Highway. Traudl kann zwei Ursons beobachten. Und endlich entdecken wir unseren ersten und auch einzigen Grizzly. Wir bleiben in respektvoller Entfernung und er lässt sich durch uns kaum stören. Weil wir ihm aber wohl zu langweilig sind, verschwindet er dann bald gemächlich im Unterholz. Eine Rangerin ist nach einem Blick auf unsere Bilder begeistert: "Ihr habt tatsächlich einen Grizzly beobachtet. Wo war das? ..."

Wir fahren unendlich lang durch abgestorbene Wälder (Waldbrand, Borkenkäfer ...), kehren in Bugshot Betty's ein, einer vor 50 Jahren berüchtigten Spielhölle am Highway und sind jetzt im Permafrostgebiet. Wir sehen sowohl auf kanadischer wie auch auch US-amerikanischer Seite mehrere Versuchsanlagen zur Kühlung der Straßen, damit sie nicht durch auftauen beschädigt werden.

Die Einreise in die USA ist wieder völlig problemlos; man muss fast nur bestätigen, keine Waffen o. ä. mitzuführen. Terroristen gibt's hier sicher nicht.

Der Landweg nach Alaska führt (fast?) nur über Tok, einer alten Athapasken-Siedlung und heute Touristenzentrum. Das Städtchen hat 1.400 Einwohner und dazu 8 (!) Kirchen. Nun, sie werden hier auch nicht teilweise vom Staat unterhalten, ein reines "Privatvergnügen" also.

Die Entfernungen in Alaska sind riesig und viele Gebiete nicht durch Straßen erschlossen, insbes. auch hier im Wrangell-Gebiet. Oft parken kleine Privatflugzeuge vor der Haustür, häufig das einzig praktikable Verkehrsmittel.

In Palmer besuchen wir die Farm für Moschusochsen. Diese Tiere könnten wir sonst nur sehr viel weiter im Norden sehen. Quivit, die Wolle gehört zu den feinsten Fasern, die ein Säugetier hat und weil ein Tier nur max. 3 kg pro Jahr liefern kann, kostet eine Quivit-Decke mehrere zigtausend Dollar.

Weil ich ein bisschen erkältet bin, passieren wir Matanuska nur kurz und sind dann bald in Anchorage. Die Innenstadt ist weitläufig und wirkt kalt und abweisend. Ein Amerikaner will mich aufklären: "Stell Dir vor, gestern ist Sarah Palin, unsere Gouverneurin, zurückgetreten." "Weiß ich schon. Ich habe gestern Abend ins Internet geschaut." Heute ist amerikanischer Nationalfeiertag. Viele Touristen sind in der Stadt und zum 4. Juli herrscht großer Rummel auf dem Marktplatz.

Wir besuchen eine beeindruckende Show von Polarlichtern und eine Goldausstellung (Gewinnung, Verarbeitung ...). Im Anchorage Museum bleibt uns dann nur noch die Kraft und Aufnahmefähigkeit für die Abteilung über die indigenen Völker Alaskas: Tlingit, Athapaska, Aleuten, Eskimos ...

Das Alaska Native Heritage Center ist im Außenbereich größtenteils eine intellektuelle Zumutung (grausam lieblose Tanzaufführung, Totempfahl aus Fabrik ...). Hervorragend gemacht ist dagegen die kleine Innenausstellung. Sie zeigt einprägsam den Verlust der alten Kulturen durch die Schule (Lehrer können nur Englisch, teilweise wird indianisches Sprechen bestraft), durch die Kirche (verlangt Änderung der sozialen Strukturen und der angestammten Wertvorstellungen), durch den Krieg (wegen der japanischen Besetzung wurden Aleuten umgesiedelt und jahrelang in Lager gepfercht). In der Ausstellung wird nicht thematisiert, dass dem Kulturverlust auch Gewinne gegenüberstehen: neue Werkstoffe (Textilien statt Fellen erleichtern Zeltbau), Feuerwaffen erleichtern Jagd, Gesundheitsfürsorge erhöht Lebensqualität und Lebensdauer usw. Trotz dieses durchaus verständlichen Mankos versöhnt uns diese Ausstellung wenigstens ein bisschen mit dem Gesamtmuseum.

Kurz vor Ende haben wir eine kleine Panne. Durch Licht, häufiges Laden von Laptop, Kameras, Handys ... ist die Batterie entladen und wir können das Auto nicht mehr starten. Ein Blick in die Bedienungsanleitung hilft weiter. In Mietwohnmobilen  ist für ignorante Touristen vorgesorgt und mit einem kleinen Knopf kann man auf eine Zweitbatterie umschalten, die ausschließlich für Notstarts vorgehalten wird.

Anchorage liegt in einer grandiosen Bergwelt, ist umgeben von Wäldern und Seen und deshalb trotz seiner beinahe 300.000 Einwohner ein Teil der Natur. Wir selbst entdecken einen Elch in der Stadt. Einige Grizzly, Wolfsrudel und einige hundert Schwarzbären tauchen jährlich im Stadtgebiet auf. Am Tag vor Abflug wird dicht bei unserem Hotel ein Schwarzbär erschossen, der sich nicht vertreiben lässt. Oh Schreck, wir sind hier kurz zuvor noch ahnungslos spazieren gegangen.

Der Rückflug ist problemlos und nach 25 Std. sind wir wieder daheim.