WoMo-Reise Alaska Highway

Alaska Highway (Dawson Creek - Skagway)
22.6. - 27.6.2009

Dawson Creek ist Startpunkt für viele Touristen, die hier einen letzten Stopp vor der großen Einsamkeit einlegen. An der berühmten Meile 0 beginnt der Alaska Highway, der bis Delta Junction in den Hohen Norden führt. Die Straße, ursprünglich gebaut zur Abwehr eines möglichen japanischen Angriffs auf Alaska, hatte ungeheure soziale (Verlust der indianischen Sozialstrukturen, Besiedlung durch Weiße) und wirtschaftliche (Alaska auf Landweg erreichbar, Erschließung von Bodenschätzen) Auswirkungen auf Alaska und den Westen Kanadas. Im Alaska Highway House lernen wir viel über die berühmte Straße, die 1942 in gut 8 Monaten durch unwegsame, teils noch unbekannte Regionen gebaut wurde, im Norden sogar durch Permafrostgebiet.

Jetzt begegnen wir bald all den Tieren, die wir bisher vermisst haben: Elch, Schwarzbär, Bison, sogar Dickhornschafe am Summit Pass. Gelegentlich passieren wir Gas- und Erdölförderstätten. Der Folded Mountain sieht aus, als hätte ihn ein Riese mal eben nach Belieben per Hand geformt. Der Muncho Lake mit seiner ganz eigenen Flora inmitten der großartigen Bergwelt zieht viele Touristen an (naja, 100 gelten hier schon als Volksauflauf) zur Tierbeobachtung, zum Fischen, Wandern usw. Und in den Liard River Hotsprings wird von den Eingeborenen schon seit Jahrhunderten gebadet.

Unweit Coal River steht der Wald über viele Kilometer in Flammen und wir wundern uns, dass offenkundig nicht einmal versucht wird zu löschen. Erst später lernen wir, dass Brände als Teil des normalen Lebenszyklus eines Waldes betrachtet werden und der Natur gelegentlich sogar nachgeholfen wird. Auch die unübersehbaren Schäden durch Borkenkäferfraß werden achselzuckend als natürliches Ereignis hingenommen.

Watson Lake, Tor zum Yukon Territory, mit seinen gerade mal knapp 1.100 Einwohnern ist eine wichtige Versorgungsstation auf dem Weg nach Norden. Es gibt mehrere Hotels, einen Supermarkt (oder mehrere?), ein Krankenhaus, eine Bank, Tankstellen usw. Und einige schon am Vormittag torkelnde First Nation People zeigen städtisches Leben an. Der originelle Schilderwald ist ganz lustig.

Wir queren die Continental Divide, die das Yukon-Gebiet (Abfluss in die Beringsee) vom Einzugsbereich des Mackenzie trennt, der in die Beaufortsee entwässert.

Das Wildlife Museum in Teslin ist einen kurzen Besuch wert. Das Teslin Tlingit Heritage Centre dagegen ist eine Zumutung. Die Totempfähle vor dem Eingang kommen aus der Fabrik; Geschichte der Tlingits gibt's erst seit 200 Jahren und trotzdem keine Aussagen zu Goldrush, Krieg, Alaska Highway, moderner Entwicklung; das Info-Video zeigt gähnend langweilig die Einweihung des Centres ... Leider können wir auch im Wildlife Museum nicht erfahren, ob wir am Summit Pass vor einigen Tagen Steinschafe, Dickhornschafe, Dallschafe, Bergziegen oder anderes beobachtet haben. Und die junge Tlingit im Heritage Centre findet die Frage noch weniger als uninteressant.

Über Whitehorse, Carcross mit der "kleinsten Wüste der Welt" und den White Pass inmitten einer Mondlandschaft sind wir dann bald in Skagway. Die Immigration nach Alaska ist kein Problem. Hier reisen wohl keine Terroristen ein.