WoMo-Reise Alaska Highway

West Access Road (Seattle - Dawson Creek)
13. - 21.6.2009

Der Flug ist problemlos, die Immigration nervt. Obwohl mein verletzter Finger (Gurken schneiden ist gefährlich) ausgespart wird, muss die Hand unzählige Male durchs Gerät. Nun denn, wenn das der Sicherheit nützt!? Ich bin gespannt auf meine nächste US-Einreise, wenn ich wieder 10 gesunde Finger habe.

Im Boeing Museum of Flight könnten wir Tage verbringen, Entwicklung der privaten und der militärischen Luft- und Raumfahrt, Helden der Luftfahrt, die beiden großen Kriege ... Seattle hätte auch sonst noch Vieles für mehrere Tage zu bieten. Wir beschränken uns aber auf dieses Luftfahrtmuseum, den Pike Place Market mit den berühmten Fishmongers (wir verstehen kein Wort dieser Marktschreier) und die Space Needle (das Wahrzeichen der Stadt).

Die ersten Kilometer mit unserem riesigen Wohnmobil sind etwas gewöhnungsbedürftig (es war billiger als ein kleineres!). Die Routine kommt dann bald.

In den Minter Gardens fasziniert mich insbesondere die landschaftliche Gestaltung vor dem Hintergrund des 2.100 m hohen Mt.-Cheam-Massivs. Traudl begeistert sich an den Pflanzen. Schließlich vertreibt uns nur der Hunger aus diesem kleinen Paradies mit mehr als 150.000 Besuchern pro Jahr.

Auf der Historic Hat Creek Ranch bekommen wir einen Eindruck vom Leben in Kanada von den Zeiten des Cariboo Gold Rush (1862) bis ins 20. Jahrhundert. Alte landwirtschaftliche Maschinen werden gezeigt und auf einer Postkutsche (leider nur 2-spännig) lassen sich einige Schüler herumfahren. Grundsätzlich wird hier natürlich die "weiße" Historie dargestellt.

Nicht weit von hier lassen wir uns durch ein Dorf der Shuswap-Indianer führen. Verschiedene Tipis, ein paar Geräte, eine Rauchsauna u. ä. werden gezeigt. Ja, es gebe zwar noch alte Leute, die nicht Englisch können, aber die jungen ihrerseits sprechen nicht mehr die Sprache ihres Volkes, die im Übrigen in der Schule nicht gelehrt wird. Die Führerin, eine junge Shuswap, spricht seltsam distanziert "they did", "they were" und niemals in der Wir-Form. Sie fühlt sich offenkundig ihrem Volk bzw. den vergangenen Zeiten, Sitten und Gebräuchen nicht wirklich zugehörig.

In Williams Lake findet in einer Woche das größte Rodeo Kanadas statt. Vom deutschen Fernsehen kenne ich das Spektakel. Wirklich schade, dass wir nicht so lange hier warten können.

In Xat'sull am mächtigen Fraser River, ebenfalls einem Shuswap-Dorf, unterhalten wir uns lang mit einem alten Shuswap. Neben Englisch spricht er 4 Indianersprachen, hat 16 Kinder, die meisten davon adoptiert: "Was kann ich machen, wenn sie von ihren Eltern verlassen werden?" Wir erfahren die Geheimnisse der Pithouses und lernen, wie die Generationen früher zusammenlebten und sich heute immer weiter voneinander entfernen. Jetzt hütet er hier nur noch das Lagerfeuer, das als Zeichen der Freundschaft und Friedfertigkeit 24 Stunden am Tag glimmen muss.

Im Eisenbahnmuseum von Prince George spürt man geradezu die ungeheure wirtschaftliche und soziale Bedeutung, die die Eisenbahn für die Entwicklung von Kanada hatte. Elegante Salonwagen lassen die Art des Reisens, meterhohe Schneepflüge die technischen und natürlichen Probleme, kleine Bahnhofshüttchen die Verlorenheit in den Weiten der Prärie erahnen. Es gibt wenig Erläuterungen im Museum, aber die braucht man hier auch nicht.

In Chetwynd, der "Capital of Chainsaw Sculptures", finden wir die Skulpturen entlang der Straße grässlich. Nun ja, wir hier haben stattdessen unsere Gartenzwerge.

Spuren von Elch und Bär haben wir immer wieder entdeckt und noch vor Dawson Creek bekommen wir beide das erste Mal zu Gesicht. Aber obwohl wir lang durch Cariboo Country gekurvt sind, bleiben uns diese Tiere verborgen und dabei bleibt's leider auch für den Rest der Reise.